Finger weg vom Logo: Warum eine Kaffeemarke sich trotzdem traut
25.03.2011 | Verfasst von Katharina Vollmeyer | Kategorie: Thema, Welt der MarkenStarbucks hat sein Logo umgestellt. Statt des bekannten Schriftverlaufs in einem Kreis prangt nur noch die Sirene auf den Kaffeebechern. Die grüne Meerjungfrau war bisher zwar Bestandteil des Starbucks-Emblems, muss aber nun ohne weitere Erkennungszeichen auskommen. Dabei folgt das Unternehmen nach eigener Aussage Marken, die es geschafft haben, allein anhand der Bildmarke erkannt zu werden: Apple, Nike oder Mercedes. Dass eine Marke fähig ist, ohne ihren Namen auszukommen, heißt aber noch lange nicht, dass sie auch erfolgreicher ist. Ein Blick auf die 50 erfolgreichsten Marken zeigt, dass allein 40 immer ihren Namen dabei haben.
In der Regel gilt: Finger weg vom Logo. Wer über Jahrzehnte unter einem Zeichen erfolgreich Vertrauen, positive Erfahrungen und Erlebnisse aufgebaut hat, der sollte unter diesem auch weiter machen. Kunden schätzen Neuerungen unter bekannten Vorzeichen, denn dadurch können sie überraschenden Leistungen sofort vertrauen. Weniger überzeugend empfinden Kunden es hingegen, wenn der Prozess andersherum verläuft. Ein plötzlich neues Erscheinungsbild ihrer liebgewonnen Produkte irritiert zunächst. Welche Schlüsse sollen sie daraus ziehen? Schmeckt meine Lieblingsschokolade jetzt anders? Ist mein Caffè Latte ab sofort teurer? Haben sich die Inhaltsstoffe meiner Hustentropfen geändert? Naturgemäß erzeugen Veränderungen des äußeren Markenauftritts auf Kundenseite Mutmaßungen über veränderte Inhalte.

Einige Marken haben daher wieder einen Rückzieher gemacht: Tropicana fand zu seiner Orange mit Strohhalm zurück und GAP besann sich unter einem großen Proteststurm auf seinen alten Schriftzug. Und nahezu reflexartig sind auch viele Marketingexperten über Starbucks-Logoumstellung hergefallen. Was also möchte Starbucks mit seinem neuen Logo bezwecken? Und: Ist Starbucks vielleicht ein Beispiel für ein gelungenes Redesign?
Schaut man sich in der Coffeeshop-Landschaft einmal um, erkennt man schnell: Die Logos gleichen sich wie ein Ei dem anderen. Ob Double Coffee, Coffee Culture, Balzac Coffee, Costa Coffee oder World Coffee – alle haben sie ein rundes Logo, in der Mitte ein Bild und am Rand den Schriftzug. Ganz im Stil von Starbucks. Man hat das Gefühl, Starbucks will sich von diesen Nachahmern absetzen und deutlich machen, dass man weit mehr zu bieten habe als Kaffee: „Our new evolution liberates the Siren from the outer ring, making her the true, welcoming face of Starbucks. For people all over the globe, she is a signal of the world’s finest coffee — and much more.“
Dahinter steht das Selbstbewusstsein einer Marke, die sich nicht mehr namentlich vorstellen muss – weil jeder weiß, dass es sich um Starbucks handelt. Und es geht darum, Produkte zu branden, die außerhalb der eigenen vier Wände erhältlich sein sollen: Kaffee-Pads, Pulverkaffee oder fertig abgefüllter Kaffee.
Es ist nicht das erste Mal, dass an dem Starbucks-Logo Hand angelegt wurde. In den 40 Jahren ihres Bestehens hat sich das Zeichen der Marke nun zum vierten Mal verändert. Nie grundlegend – es ist eher eine Evolution zu beobachten, stets eine feine Anpassung. Diesmal jedoch ist die Änderung stärker als je zuvor. Doch das Unternehmen hat diesen Schritt genauestens geplant und nichts dem Zufall überlassen. Blog-Posts, eine Videobotschaft, FAQs und Twitter liefern Inhalte rund um das Redesign: Welche Ziele werden mit dem neuen Logo verfolgt? Welche Geschichte steckt hinter der Meerjungfrau? Wann wird das neue Logo in den Läden sein?
Die Macher haben von vornherein den Dialog mit den Kunden angeboten und dabei selbst neue Dialoge angestoßen. Das Logo polarisiert bereits – vielleicht ist dies ein Erfolgsrezept für die Marke. Die Community ist auf jeden Fall sehr lebendig, was wiederum einen positiven Rückschluss auf die Markenvitalität zulässt.
Ob sich das Redesign für Starbucks lohnt, ist noch offen – zumal die Umstellung aller 16.000 Filialen mehrere Jahre dauern wird. Eins ist aber bereits erkennbar: Die Herangehensweise war sensibler als in vielen anderen Fällen, die zu unmittelbaren Irritationen führten. Den Kunden wurde nicht einfach ein neues Design vorgesetzt, sondern zugleich Dialogbereitschaft signalisiert. Aber was noch wichtiger ist: Das Logo wurde nicht neu erfunden. Ein wesentlicher Bestandteil wurde beibehalten und ins Zentrum gestellt. Bedeutend wird sein, es nicht allein bei einer Veränderung der Fassade zu belassen, sondern inhaltliche Leistungen zu erbringen, die diese Neuerung untermauern. Denn jetzt geht es darum, die bereits bestehende Wertschätzung der Kunden mit neuen Inhalten zu bedienen und ihre Treue zu belohnen.
Guten Tag,
ich hoffe, Sie freuen sich auch über einen späten Kommentar!
Ich finde Ihren Artikel sehr gut in den Kontext gebracht. Ich habe hier noch einen kleinen Denkanstoß:
Das Redesign des Logos könnte auch einhergehen mit der Zurückorientierung des Unternehmens als solches. Mit der Wiederbelebung der Fuktion von Howard Schultz als CEO von Starbucks nach einigen schwierigen Jahren kann man eine deutliche Änderung der Unternehmensstrategie und Strategieausrichtung sehen. Das Unternehmen wird sozusagen simplifiziert und auf den eigentlichen Kern zurückgeführt. Statt Masse an Kaffee steht jetzt das Markenerlebnis im Mittelpunkt. Statt komplizierten Ladenkonzepten und Produktpaletten geht es wieder nur um den Kunden und das Starbuckserlebnis. In diesem Sinne musste das Unternehmen sein Markenlogo anpassen, meiner Meinung nach. Man sieht auch hier wieder die Vereinfachung des Konzepts. Dennoch ist die Kommunikation und Kundeneinbindung von Starbucks mal wieder äußerst lobenswert.
Vielen Dank für Ihren tollen Artikel und dieses interessante Thema!
Liebe Grüße,
Janina Kappelhoff
Hallo und vielen Dank für einen erneut interessanten und lesenswerten Artikel,
ich möchte doch aber die ein oder andere Anmerkung zum Thema beitragen.
Sie haben den Vergleich zur Änderung des Logos bei Tropicana gezogen, die ja im gleichen Atemzug auch ihr Verpackungsdesign geändert hatten. Die Änderung bei Tropicana ging allerdings auch noch mit einer impliziten Botschaft einher, die nicht mehr mit der bisherigen Positionierung der Marke übereinstimmte.
Was das neue Logo von Starbucks betrifft habe ich noch zwei Anmerkungen zu treffen. Grundsätzlich ist es wie sie schon beschrieben haben schwierig die Konsumenten an neue Designs oder ein neues Logo zu gewöhnen, weil diese Gewöhnung immer mit Aufwand für das menschliche Gehirn einhergeht. Dieser zusätzliche Aufwand wird zum Beispiel am PoS häufig bestraft. Nichtsdestotrotz hat sich Starbucks tatsächlich als “First-Choice-Brand” eine Identität aufgebaut, die es ihnen erlauben wird, eine solche Änderung erfolgreich durchzusetzen und die Vorteile mitzunehmen, die die Differenzierung von anderen Coffee-Shop-Brands mit sich bringt.
Das war es von meiner Seite und ich freue mich auf weitere interessante Artikel.
Viele Grüße,
Alexander Grosch