Konsequente Markenarchitektur: Relaunch der Duden-Website
04.02.2009 | Verfasst von Henning Meyer | Kategorie: Welt der MarkenDer Dudenverlag hat im Januar einen Relaunch seiner Website durchgeführt und präsentiert Duden.de jetzt in neuem Glanz. Ein markenarchitektonisch interessanter Aspekt ist, wie hier die Integration sehr unterschiedlicher Geschäftsfelder unter einem einheitlichen, prägnanten Markenauftritt umgesetzt wurde.
Die spontane Assoziation, die jeder mit der Marke Duden hat, ist naturgemäß das Duden-Wörterbuch. Tatsächlich ist das Leistungsspektrum der Marke erheblich breiter. Und dies betrifft nicht nur den Buchbereich, wo neben den verschiedensten Wörterbüchern längst auch Lernhilfen, Kinder- sowie Schulbücher angeboten werden: Mit Korrektur- und E-Content-Lösungen für Firmenkunden beispielsweise agiert Duden in einem B-to-B-Markt, während die Duden Institute für Lerntherapie Dienstleistungen offerieren.
Duden verfolgt mit dem neuen Webauftritt u.a. das Ziel, diese durchaus heterogenen Sortimente und Geschäftsfelder aus einem einheitlichen Markenauftritt heraus zu präsentieren. Dazu werden – neben den Erkennungszeichen der Marke wie Logo und Farbe – zwei Mittel eingesetzt: Eine gemeinsame Startseite und ein einheitlicher Header, der alle Bereiche übergreift. Das Markenarchitektur-Konzept, die Marke nicht in Bereichsgestaltungen oder Submarken „zerfallen” zu lassen, wird hierbei sehr deutlich.
Die Startseite ist als ein bibliotheksartiger Raum gestaltet, in dem sich die verschiedenen Bereiche der Marke präsentieren. Anders als viele andere Websites, bietet Duden dem Besucher damit ein Entree, in dem er nicht gleich mit Inhalten überhäuft wird, sondern einen kurzen Eindruck von der Gestalt der Marke mitnimmt, bevor er zu seinem Interessengebiet navigiert.
Auf den Unterseiten der Verlagsbereiche bleibt durch den Header stets die gesamte Kompetenzbreite der Marke sichtbar. Wenn man die Bandbreite des Angebots bedenkt, ist dies eine bemerkenswerte Entscheidung, die allerdings sehr gut zu dem besonderen Charakter von Duden passt. Der Umgang mit der Heterogenität der Leistungen geschieht auf eine leichte und “selbstverständliche” Weise. Insgesamt eine sehr gelungene und markengerechte Umsetzung. Gruß und Kompliment nach Mannheim.
Dazu ein Literaturhinweis in eigener Sache: Eine umfangreiche Fallstudie zur Markenführung bei Duden findet sich in dem Jahrbuch „Marken-Management 2008/2009″. Nähere Informationen sowie eine Leseprobe unter www.marken-management.net.

@Henning Meyer
Seit wann ist der Duden orange? Sieht so Markenführung aus? Einfach mal an der Farbe drehen, weil orange “wärmer” wirkt? Die Bücher sind (zum Glück) noch im bekannten Duden-Gelb.
Und: Wie, bitte, bietet diese dröge Szene “einen Eindruck von der Gestalt der Marke”?
Entspricht das Ihrem Eindruck des Produkts und der Marke?
Sind wir wieder in den 90ern, wo eine Website unbedingt eine Introseite brauchte?
Ich halte das für einen Hinweis auf absolutes Medienunverständnis. Und dazu muss ich nicht mal die Datenmenge (3 Megabyte!) ins Feld führen, die es zu laden gilt, bevor man einem Kind beim Blättern zusehen kann.
Auch usability-technisch ist die Seite kein Glanzstück. Zum Glück geht es nicht so schlimm weiter, wie die Startseite vermuten lässt. Dahinter geht es wesentlich aufgeräumter und plausibler zu.
@ Permesso: Den Kritikpunkt mit der Farbe kann ich nicht nachvollziehen. Ist doch eindeutig gelb und nicht orange. Hab gerade mal meinen Duden neben den Monitor gehalten. Die Farbe stimmt nicht 100 Prozent überein, aber es ist dasselbe Farbklima, zumal die Seite mit Verläufen arbeitet.
Bei der Introseite habe ich allerdings auch an die 90er gedacht, wo sowas schwer in Mode war.
Was die Einstiegsseite betrifft: Wenn man sehr unterschiedliche Zielgruppen unter einer einheitlichen Adresse wie duden.de ansprechen will, dann gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder man bietet einen Gemischtwarenladen oder man gestaltet einen aufgeräumten Empfangsbereich, der die User zu den jeweiligen Interessengebieten leitet. Letzteres ist hier meines Erachtens gut gelungen.